Erstaunliche Dynamik: Der innere Erdkern in Bewegung entdeckt
Die neuesten Untersuchungen, veröffentlicht in "Nature Geoscience", deuten darauf hin, dass der innere Erdkern in den letzten 20 Jahren seine Form verändert haben könnte. Diese Entdeckung stellt die bisherigen Annahmen über seine Beständigkeit infrage.
Der innere Erdkern, bislang als stabil angesehen, könnte in den letzten zwei Jahrzehnten Veränderungen erfahren haben. Laut "Nature Geoscience" könnten diese Verformungen das Ergebnis von Störungen im äußeren Kern sein.
Neue Sichtweise auf den Erdkern
Der Erdkern besteht aus zwei Teilen: dem inneren Kern, der eine metallische Kugel mit festem Charakter ist, und dem äußeren Kern, der flüssig ist. Der äußere Kern stabilisiert den inneren Kern dank der Schwerkraft und Dichteunterschiede. Doch Forscher der University of Southern California (USC) unter der Leitung von Prof. John Vidale schlagen vor, dass die Oberfläche des inneren Kerns strukturellen Veränderungen unterliegt.
"Eine Reihe von seismischen Wellen unterschied sich signifikant von den anderen. Erst nach einiger Zeit wurde mir klar, dass ich Beweise betrachte, die darauf hindeuten, dass der innere Kern nicht vollständig fest ist", sagte Prof. Vidale.
Seismische Entdeckungen
Wissenschaftler analysierten seismische Daten von 121 Erdbeben in der Nähe der Südlichen Sandwichinseln, die sich zwischen 1991 und 2024 ereigneten. Die von seismischen Stationen in Fairbanks, Alaska, und Yellowknife, Kanada, empfangenen Wellen zeigten außergewöhnliche Eigenschaften, die zuvor nicht beobachtet worden waren.
"Zu Beginn haben diese Daten mich verwirrt", gab Prof. Vidale zu. Erst als sein Team die Analysetechnik verbesserte, wurde klar, dass die Wellendaten auf zusätzliche physikalische Aktivitäten im inneren Kern hindeuten.
Bedeutung der Entdeckung
Laut den Wissenschaftlern könnte die Oberfläche des inneren Kerns periodisch ihre Form ändern. Die wahrscheinlichste Ursache dieser Verformungen sind die Wechselwirkungen zwischen dem inneren und dem äußeren Kern.
"Es ist allgemein bekannt, dass der geschmolzene äußere Kern turbulent ist, aber bisher wurde noch nie beobachtet, dass diese Turbulenzen den benachbarten inneren Kern in einem für uns fassbaren Zeitrahmen beeinflussten. Zum ersten Mal haben wir Beweise dafür gesehen, dass der äußere Kern dennoch das Innere stören kann", erklärte Prof. Vidale.
Diese Entdeckung könnte helfen, die Dynamik der Erde sowie die mit dem magnetischen und thermischen Feld unseres Planeten verbundenen Prozesse besser zu verstehen. Prof. Vidale warnt jedoch vor übereilten Schlussfolgerungen und betont, dass die Wissenschaft sich ständig weiterentwickelt und die Grenzen des Wissens sich immer noch verschieben.
"Es gibt weiterhin viele Unbekannte. Wir können nicht zu 100 % sicher sein, dass unsere Interpretation dieser Veränderungen völlig korrekt ist", fasste er zusammen.