Libyens Ölpläne in Gefahr: Russland erhöht Präsenz im Osten
Libyen bemüht sich, seinen Energiesektor durch eine Erhöhung der Ölförderung zu beleben. Obwohl das Land plant, die tägliche Produktion bis 2025 auf 2 Millionen Barrel zu steigern, befürchtet die Regierung in Tripolis den Einfluss Russlands, da dieses den Export dieses Rohstoffes nach Europa stören könnte.
Libyen beobachtet eine verstärkte russische Militärpräsenz im Osten des Landes, wo General Chalifa Haftar Einfluss hat. Durch diese Maßnahmen könnte Russland gezielt die Öl-Lieferungen nach Europa destabilisieren. Moskaus Handlungen könnten westliche Ölgesellschaften vom libyschen Markt verdrängen.
Russlands Interesse am Öl in Libyen
Die Ölreserven werden im Land auf 48 Milliarden Barrel geschätzt, was das Interesse von Energieriesen wie Repsol, ENI, BP und OMV weckt. Nach Jahren der Sanktionen gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi war die Lage auf dem Weg zur Stabilisierung. Doch im Herbst letzten Jahres spürte Europa die Auswirkungen der Einstellung des Betriebs von El Sharara, einem der wichtigsten Ölfelder, wo die Produktion 48.000 Tonnen pro Tag betrug.
Seit Dezember letzten Jahres bohrt das spanische Unternehmen Repsol auf einem neuen Feld, und Tripolis bietet 22 weitere Standorte zur Erschließung an, sowohl am Land als auch auf dem See. Russlands Engagement in Libyen könnte - im Kontext des Konflikts mit dem Westen - verschiedene Strategien zur Beeinflussung der europäischen Energiemärkte durch den Einsatz von Söldnern und militärischer Ausrüstung mit sich bringen.
Die zunehmende Präsenz Russlands in Libyen sowie mögliche Maßnahmen gegen Rohstofflieferungen könnten die geopolitische Situation auf dem Kontinent verkomplizieren. Libysche Medien berichten, dass Gazprom bereit ist, spanische und französische Marktanteile zu übernehmen, was das Risiko einer energetischen Abhängigkeit Europas von russischen Einflüssen in der Region zusätzlich verdeutlicht.
Ende August letzten Jahres berichteten wir, dass die Aktivitäten der Ölfelder in Libyen aufgrund einer Pattsituation im Streit um die Zentralbank eingeschränkt wurden. Im Land herrscht ein Konflikt zwischen den Behörden Ostlibyens und der international anerkannten Regierung Westlibyens, was zu Unterbrechungen der Öllieferungen aus dem Land und sogar zum Aussetzen des Exports aus einigen Häfen führt.