NachrichtenRusslands Haftanstalten: Grausame Foltermethoden enthüllt

Russlands Haftanstalten: Grausame Foltermethoden enthüllt

Einige Wochen nach Beginn der Invasion in der Ukraine gab die Führung des Strafvollzugsdienstes in Russland Anweisungen zum Umgang mit ukrainischen Kriegsgefangenen heraus. Der Leiter des Föderalen Strafvollzugsdienstes in St. Petersburg fasste diese Anweisungen knapp zusammen: Seid grausam, keine Gnade.

"Seid grausam". Russische Behörden über die Behandlung von Gefangenen
"Seid grausam". Russische Behörden über die Behandlung von Gefangenen
Bildquelle: © EPA, PAP | STRINGER

Drei ehemalige Mitarbeiter des Föderalen Strafvollzugsdienstes sind aus Russland geflohen. Sie haben bereits vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ausgesagt und Dokumente zur Unterstützung ihrer Aussagen vorgelegt. Jetzt berichteten sie den Journalisten des "The Wall Street Journal", was ihnen aufgetragen worden war.

Ihre Vorgesetzten teilten ihnen mit, dass die normalen Regeln im Umgang mit Gefangenen nicht gelten würden. Es gäbe keine Einschränkungen hinsichtlich der Anwendung von Gewalt. Die Wärter, die mit den Kriegsgefangenen zu tun hatten, sollten die am Körper getragenen Kameras ablegen, die im russischen Strafvollzugssystem vorgeschrieben sind.

Rotierende Wachen, endlose Folter

Die Wärter sollten sich jeweils einen Monat lang um die Gefangenen kümmern, danach wurde ein neues Team entsandt.

Laut dem Bericht im "WSJ" führten diese Treffen zu fast drei Jahren unermüdlicher und grausamer Folter von ukrainischen Kriegsgefangenen. "Die Wärter setzten Elektroschocks an den Genitalien der Gefangenen ein, bis die Batterien leer waren. Sie schlugen die Gefangenen, um ihnen maximalen Schaden zuzufügen, und experimentierten damit, welches Material am schmerzhaftesten wäre. Sie verweigerten die medizinische Versorgung, was zur Entwicklung von Wundbrand führte und Amputationen erforderte", schreiben die Autoren des Artikels.

Laut den vom "WSJ" zitierten Menschenrechtsaktivisten und ehemaligen Gefängniswärtern wurden die Gefangenen gefoltert, um ihren Willen zum Weiterkämpfen zu brechen. Zudem erzwangen russische Beamte laut "WSJ" von Ukrainern Geständnisse für die Begehung von Kriegsverbrechen oder verlangten die Offenlegung geheimer Informationen, die für die Russen von Nutzen waren.

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