Trump verhängt Zölle: USA droht Handelskrieg, Kritik wächst
Donald Trump bezeichnete die Entscheidung, neue Zölle einzuführen, als den "Beginn eines Prozesses der erneuten Bereicherung Amerikas". Die Vorschriften sollen im März in Kraft treten und alle Lieferungen ausnahmslos betreffen. Ökonomen stehen der Maßnahme der USA skeptisch gegenüber.
Ökonomen stellen die optimistische Vision von Trump über eine neue "goldene Ära" für die USA entschieden infrage. Laut Abigail Hall Blanco, Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der University of Tampa, zeigt die wissenschaftliche Literatur eindeutig, dass Zölle allen beteiligten Parteien erhebliche Nachteile bringen – berichtet die Deutsche Welle.
Die neuen Zollgebühren, obwohl sie die heimischen Stahl- und Aluminiumproduzenten unterstützen sollen, könnten die Produktionskosten in Branchen, die diese Metalle intensiv nutzen, wie die Automobil- und Bauindustrie, erheblich erhöhen. Diese zusätzlichen Belastungen werden höchstwahrscheinlich auf die amerikanischen Verbraucher umgelegt.
Professorin Meredith Crowley von der University of Cambridge betont, dass Amerikaner mit niedrigen Einkommen am meisten Schaden erleiden werden, die größtenteils für Trump gestimmt haben. Ein Anstieg der Autopreise um 920 EUR könnte es vielen Familien unmöglich machen, ein neues Fahrzeug zu erwerben.
Internationale Reaktionen und Auswirkungen
Kanada wird von den neuen Zöllen am stärksten betroffen sein, da es der größte Stahlexporteur in den USA ist, mit einem Volumen von 6,0 Millionen Tonnen im letzten Jahr. Premierminister Justin Trudeau bezeichnete diese Sanktionen als völlig unbegründet und kündigte entschlossenen Widerstand an.
Die Europäische Union hat ebenfalls Schutzmaßnahmen zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen angekündigt. Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission, warnte vor verhältnismäßigen Gegenmaßnahmen als Reaktion auf ungerechtfertigte Zölle.
Einige Länder, darunter Australien, bemühen sich um eine Befreiung von den Zöllen. Trump zeigte sich bereit, den Antrag Australiens in Anbetracht des US-Handelsdefizits mit diesem Land zu prüfen. Indien hat bereits, vor dem Besuch von Premierminister Modi im Weißen Haus, die Zölle auf Dutzende importierte Waren gesenkt.
Die Ukraine hofft, die Zölle umgehen zu können, möglicherweise im Austausch für den Zugang zu seltenen Erden, die für US-Technologiefirmen unerlässlich sind. Im vergangenen Jahr beliefen sich Exporte von Metallprodukten aus der Ukraine in die USA auf 468 Millionen Euro, was fast 58 Prozent des Gesamtexports in dieses Land ausmachte.
Trumps Motive und Strategie
Grzegorz Siemionczyk, der Chefanalyst von money.pl, hat sich ebenfalls zu dem Thema geäußert. Er zitierte die Meinung zahlreicher Experten, die die potenziellen Auswirkungen der US-Wirtschaftspolitik bewerteten. Dr. Wojciech Paczos weist darauf hin, dass Donald Trump tatsächlich an die Wirksamkeit der Zollpolitik glaubt. Dies zeigt sich in der Auswahl der wirtschaftlichen Berater, die seine Sichtweise über die Schädlichkeit des US-Handelsdefizits teilen. Gleichzeitig werden Zölle als Druckmittel in Verhandlungen mit Handelspartnern eingesetzt.
Der Experte weist auf den überraschenden Schritt der neuen Verwaltung hin, die zunächst gegen nahe Verbündete wie Mexiko und Kanada Zölle erhob, obwohl zuvor Handelsabkommen unterzeichnet worden waren. Die Zölle wurden jedoch im Austausch für Versprechen zur Sicherung der Grenzen verschoben.
Wirtschaftliche Folgen und Schutzmechanismen
Laut dem Analysten ist das US-Handelsdefizit kein reales wirtschaftliches Problem und kann nicht ausschließlich durch Zollpolitik reduziert werden. Das Problem liegt vielmehr in der Situation einiger Regionen der USA, insbesondere im sogenannten "Rust Belt", wo die Beschäftigung prekär geworden ist.
Dr. Paczos erklärt, dass die Vereinigten Staaten aufgrund der Position des Dollars im globalen Finanzsystem eine besondere Situation einnehmen. Handelsdefizite der USA, die sogar 7 Prozent des BIP erreichen, sind möglich, weil der Rest der Welt bereitwillig Kapital dort anlegt.
Der Experte betont, dass die Einführung von Zöllen zwei gegensätzliche Mechanismen auslösen kann. Der erste ist die Vergeltung von Handelspartnern, der zweite die Stärkung des Dollars, die die Auswirkungen der protektionistischen Handelspolitik neutralisieren könnte.
Dr. Paczos zufolge scheint ein globaler Handelskrieg unvermeidlich, wenn Trump seine Ankündigungen umsetzt. Auch wenn diese Bezeichnung bedrohlich klingt, muss sie nicht zu einer wirtschaftlichen Krise führen, wird aber sicherlich nicht zum Vorteil der Weltwirtschaft sein.
Der Analyst prognostiziert, dass die ersten Auswirkungen des Handelskriegs auf den Devisenmarkt sichtbar werden. Die Stärkung des Dollars ist bereits jetzt spürbar, was auf die Erwartungen der Investoren über die Einführung von Zöllen zurückzuführen ist.
Laut dem Experten können Wechselkursänderungen etwa die Hälfte des durch Zölle verursachten Preisanstiegs neutralisieren. Auch wenn sich das Handelsvolumen wahrscheinlich verringern wird, wird das Ergebnis eher eine Verlangsamung des BIP-Wachstums als ein Rückgang sein.