Ungarn verlässt Strafgerichtshof: Netanjahu-Besuch sorgt für Wirbel
Ungarn hat beschlossen, aus dem Internationalen Strafgerichtshof auszutreten. Das Verfahren beginnt am Donnerstag, wie der Kanzleramtschef des Premierministers, Gergely Gulyas, bekannt gab. Die Entscheidung fiel mit dem Besuch des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu in Budapest zusammen.
Die ungarische Regierung hat die Entscheidung getroffen, den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) zu verlassen, wie Gergely Gulyas bekannt gab. Laut der polnischen Presseagentur soll das Austrittsverfahren aus dieser Institution am Donnerstag beginnen. Diese Entscheidung wurde am Tag der Ankunft des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu in Budapest bekannt gegeben. Gegen Netanjahu liegt ein Haftbefehl des IStGH vor.
Die Regierung wird am Donnerstag das Verfahren zur Kündigung des Abkommens gemäß den verfassungsrechtlichen und internationalen Rechtsrahmen einleiten, informierte Gulyas im Gespräch mit der Nachrichtenagentur MTI und bezog sich dabei auf das Gründungsdokument des IStGH, das Römische Statut.
Wenige Stunden vor der Bekanntgabe der Entscheidung über Ungarns Austritt aus dem Internationalen Strafgerichtshof kam Benjamin Netanjahu mit einem offiziellen Staatsbesuch in das von Viktor Orban regierte Land. Der israelische Premierminister wird vom IStGH wegen Kriegsverbrechen im Gazastreifen verfolgt. Orban erklärte mehrfach, dass Netanjahu sich in Ungarn sicher fühlen könne. Sein Land hat das Römische Statut nicht ratifiziert, da es als verfassungswidrig angesehen wurde.
Erste Berichte, dass Ungarn aus dem IStGH austreten wird, tauchten bereits im Februar auf. Damals erklärte Außenminister Péter Szijjártó, dass Ungarn seine Teilnahme an dieser Institution "neu bewerten" werde. Szijjártó fügte hinzu, dass seiner Meinung nach diese Institution "politisiert" sei.
Austrittsverfahren aus dem IStGH
Das Verfahren für den Austritt Ungarns aus dem IStGH wird wie folgt ablaufen: Zuerst wird ein Gesetzentwurf im Parlament eingebracht. Bei einer Mehrheitsentscheidung beginnt das formale Austrittsverfahren aus dem Gerichtshof, das von der ungarischen Regierung durchgeführt wird. Das gesamte Verfahren könnte ein Jahr dauern.
Donald Trump hat auch Sanktionen verhängt, nicht nur gegen das Gericht selbst, sondern auch gegen "Personen, die dieser Institution bei der Verfolgung von Amerikanern sowie Vertretern der israelischen Regierung und anderer US-Verbündeter helfen".