Handelskrieg lässt Rezessionsängste weltweit eskalieren
Amerika, Asien, Europa – fast alle bedeutenden Indizes stehen auf rot. Die Wall Street hat das schlechteste Quartal seit 23 Jahren hinter sich und sieht sich nun enormer Unsicherheit gegenüber. Investoren befürchten das Schlimmste: eine Rezession.
Der amerikanische Präsident Donald Trump hat mit seiner Entscheidung, die Zölle auf das höchste Niveau seit 100 Jahren zu erhöhen, massive Erschütterungen an den Weltmärkten ausgelöst. Kaum hatten sich die Investoren beruhigt, konterte China mit 34-prozentigen Zöllen auf alle amerikanischen Waren. Während der Handelskrieg an Fahrt gewann, rückte das Gespenst einer Rezession immer näher. Was deutet darauf hin?
Banken geben das erste Signal
Der Bankenindex in Europa verzeichnete am Freitagnachmittag einen Rückgang von über 9 %. Die Aktien von Giganten wie Deutsche Bank, Intesa Sanpaolo, Banco Santander und UniCredit fielen zwischen 9 % und 11 %. Die UBS, die größte Bank Europas, verzeichnete einen Rückgang des Aktienwerts von 8 %. Diese Banken stehen vor einer doppelten Herausforderung: starker Präsenz auf dem amerikanischen Markt und schwächelnden Aussichten für die europäische Wirtschaft. Auch die Banken in Polen sehen große Rückgänge; die Aktien der PKO BP sanken am Freitag nach 14:30 Uhr um 8,5 %, ebenso wie der gesamte Index WIG-Banken.
Ökonomen warnen, dass die neuen Zölle zu Kostensteigerungen für amerikanische Verbraucher führen könnten, was Inflation auslösen und das Risiko einer Rezession erhöhen könnte. Mohamed El-Erian, Chefökonom von Allianz, betont, dass obwohl eine Rezession nicht unvermeidlich ist, das Risiko ihres Auftretens derzeit sehr hoch ist.
„Die Menschen werden realisieren, dass, wenn die US-Wirtschaft langsamer wird, der Rest der Welt noch stärker als die USA an Dynamik verlieren wird. Deshalb glaube ich nicht, dass wir weiterhin eine Abschwächung des Dollars beobachten werden", sagte El-Erian.
Rohstoffe – das zweite Warnsignal
Das Rezessionsrisiko in den USA und weltweit ist nach der Einführung der Zölle durch Trump von zuvor 40 % auf 60 % gestiegen, erklärten am Freitag Berater der amerikanischen Bank JP Morgan. „Die destruktive Politik der USA wird als das größte Risiko für die globalen Perspektiven angesehen“, schrieben die Analysten von J.P. Morgan in einer Mitteilung und fügten hinzu, dass die Handelspolitik der USA weniger geschäftsfreundlich geworden ist als erwartet.
Die Folgen der Zollerhöhungen, verstärkt durch die Vergeltungsmaßnahmen, könnten das Geschäftsklima in den USA beeinträchtigen und die Lieferketten stören. Auch andere Brokerhäuser an der Wall Street, einschließlich Barclays und Deutsche Bank, warnen, dass die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr aufgrund der Zölle stärker von einer Rezession bedroht ist. Diese Analysen scheinen durch den Ölpreis bestätigt zu werden, der am Freitagnachmittag um über 8 % fiel.